Sie sind hier

Sayyid Quṭb und al-Ḥākimīya

Von: Ḥasan Muṣṭafā Maʾmūn, Al-Hajj Abu Jafar al-Hanbali | Übersetzer: Muhammed F. Bayraktar
Donnerstag, 18 Februar, 2016 | In: Persönlichkeiten

Sayyid Quṭb und al-Ḥākimīya[1]

 

Der Imām und Scheich Ḥasan Maʾmūn,[2] Vorstand der geehrten Universität al-ʾAzhar, fragte einen der Großgelehrten:

„Was ist die Meinung in Bezug auf Sayyid Quṭb und seine Werke? Insbesondere von seinem Buch ‚Wegzeichen‘ (Maʿālim fī al-ṭarīq. [tr. Yoldaki işaretler])?“

Die Antwort ist von einem der bedeutenden Großgelehrten, Imām Muḥammad ʿAbd al-Laṭīf al-Subkī (gest. 1388 AH)[3], möge sich Allah seiner erbarmen. Sie lautet:

»Auf den ersten Blick begreift der Leser, dass das Thema im Buch zum Islam ausruft. Die dabei verwendeten Mittel sind jedoch falsch. Der Text versucht, den Leser anhand populärreligiöser Gefühle zu täuschen. Dies erregt insbesondere Jugendliche und junge Erwerbstätige, welche die primäre Zielgruppe sind.

Diese werden in Unachtsamkeit aufgewühlt von Behauptungen der Personen, welche zur Religion rufen oder sich für sie einsetzen. Sie akzeptieren die ihnen vorgelegten neuen Ideen als seien sie der reine Ruf zur Wahrheit für die Sache Gottes. Ihnen erscheint der vorgegebene Weg als jener der Erlösung.

So verspürte ich die Wichtigkeit, direkt[4] aus den Schriften des Autors eindeutige Stellen zu zitieren. Dies, damit sie uns vorliegen und wir sein Denken verstehen können. Das erste Zitat lautet:

»Die muslimische Umma ist seit Jahrhunderten verschwunden. Es ist eine Notwendigkeit, diese Umma zurückzubringen, damit der Islam seine von ihm erwartete Rolle der Leitung der Menschheit wieder einnimmt.

Es ist notwendig, dass sie sich wieder erhebt. Sie ist verschüttet unter dem Schmutz falscher Ideen, Konzepte, Statuten, Bräuche, Systeme und Herrschaften. All jenem, das keine Verbindung zum Islam oder der islamischen Methodologie hat. Dabei nennt sich diese Umma ‚die islamische Welt‘.«[5]

Der Autor lehnt in diesen Zeilen die Existenz der muslimischen Umma seit mehreren Jahrhunderten ab. Das Resultat dessen ist, dass all die Jahre des Islams und seine Früchte, seine Imame, die Leuchten des Wissens der Religion, die Korankommentatoren, die Schreiber des Fiqh, die Befähigten des Iǧtihād und die harte Arbeit, den Glauben in verschiedene Himmelsrichtungen zu tragen, nichtig sind. Sie befanden sich alle in einem Zeitalter der Unwissenheit, nicht im Zeitalter des Islams. Dieser Zustand hielt an bis zu jenem Tage, an dem Sayyid Quṭb sich erhob.

Dieser Autor der Schrift „Wegzeichen“ schreibt:

»Die gesamte gegenwärtige Welt befindet sich in einem Zustand gleich dem Zeitalter der Unwissenheit.[6] Dieses Zeitalter der Unwissenheit ist eines der Feindschaft gegen die Herrschaft Gottes auf Erden. Sie steht als Gegensatz zu den bezeichnenden Eigenschaften der Göttlichkeit, deren Essenz die al-Ḥākimīya (die Herrschaft/Gesetzeskraft) ist.

Die al-Ḥākimīya wurde den Menschen übergegeben und der islamische Weg untergraben. Die Islamische Methodologie ist einzigartig in dieser Hinsicht. Die Menschheit befindet sich unter jeder Art der Herrschaft in gegenseitiger Anbetung. Diese Anbetung geschieht in unterschiedlichen Formen und Arten. Sie hält solange an, bis diese Herrschaft vom Islam kommt.«[7]

Anderswo erklärt er:

»Einzig die Islamische Methodologie kann die Menschheit befreien von der gegenseitigen Anbetung. Nur durch sie können sie sich der reinen Anbetung Allahs, des Einzigen, in voller Hingabe und Demut ergeben. Dies ist ein neues Konzept von uns und wir wünschen, dies der Menschheit darzulegen.

Dieses neue Konzept muss eine anschauliche und durchführbare Form der Handlung annehmen. Es ist notwendig, dass die Ummah demgemäß lebt. Dafür muss eine Islamische Renaissance entstehen. Nur dadurch kann die Bewegung die Weltführung an sich nehmen, sei dies nun von Nahem oder Fernem.

Danach stellt sich die Frage, wie wir diese Handlung nun vollziehen können. Es ist notwendig, eine Vorhut mit diesen ausdrücklichen Zielen zu bilden, die alleine losmarschiert, sich von den Wellen des Zeitalters der Unwissenheit fernhält und zeitgleich zu einigen Teilen davon in Verbindung bleibt.

Diese Vorhut, welche für diesen Zweck hervorgekommen ist und nur dieses eine Ziel in Sinne hat, ist von den Wegzeichen auf der Straße!«[8]

Sayyid Quṭb beendet seine Worte mit:

»Ich verfasste dieses Buch ‚Wegzeichen‘ für diese erhoffte und erwartete Vorhut, welche sich schon bald zeigen soll!«[9]

Dies ist ein offensichtlicher und klarer Aufruf an alle, eine Vorhut mit der Mission der „Islamischen Renaissance“ zu bilden. Der Autor sieht sich selbst in der Verantwortung, die Wegzeichen für diese Vorhut und die Mission zu setzen, die diese erwartet.

Quṭb sagt:

»Wir sind nun in einem Zustand der Unwissenheit, so wie einst in der Zeit des Propheten – Frieden und Segen seien auf ihm – als dieser den Islam brachte. Nein! Wir sind gar in einem weitaus größeren Zeitalter der Unwissenheit, denn um uns herum befindet sich nur Unwissenheit.«[10]

Siehe, was er noch zu sagen hat:

»So ist unsere wichtigste Mission die Veränderung der kollektiven Realität der Gesellschaft. Das bedeutet ebenfalls, dass es unsere Mission ist, die Realität der Unwissenheit in ihren Fundamenten zu verändern und umzukehren.«[11]

Dann schreibt er weiter:

»Der Weg zur Veränderung geschieht nicht, indem wir das Land von den Mächten der römischen und persischen Tyrannen und falschen Göttern reinigen und es dann den arabischen Tyrannen und falschen Göttern übergeben. Nein! Alle Tyrannen und falschen Götter sind gleich. Die Erde gehört einzig Gott allein! Die Erde wird nicht gereinigt außer durch Gott allein! Diese Reinigung kann nicht geschehen, bis nicht das Banner von: „keine Gottheiten außer Allah!“ gehisst wird!

Der Weg vorwärts ist nicht der Versuch, die Menschen auf der Erde von einem falschen Gott zu befreien und sie von der Macht der römischen und persischen Tyrannen und falschen Götter in die Hände der arabischen Tyrannen und falschen Götter zu übergeben.

Nein! Alle Tyrannen und falschen Götter sind gleich. Alle Menschen sind einzig die Sklaven Gottes allein! Die Menschen sind nicht die Sklaven Allahs allein, solange sie nicht das Banner von: „keine Gottheiten außer Allah“ gehisst haben! Dieses Bekenntnis bedeutet genau das, was der Araber in seiner Sprache darunter versteht.

Es gibt keine Ḥākimīya außer für Gott! Es gibt keine Scharia außer durch Gott! Es gibt keine Autorität von irgendwem über irgendwem! Denn die Autorität gebührt einzig Gott! Denn die Nation oder das nationale Bewusstsein, welches der Islam für alle vorsieht, ist jene ʿAqīdah, welche alle Menschen gleichstellt.

Jeder Mensch, der dieses Testament trägt, ob Araber, Grieche, Perser oder irgendeine andere Rasse, befindet sich unter der Fahne und dem Banner Allahs! Dies ist der Weg vorwärts!“[12]

Wir wollen nun seine Aussage „keine Herrschaft/Ḥākimīya außer für Gott!“ und „die Herrschaft/Ḥākimīya gebührt nur Gott!“ genauer betrachten.

Das sind exakt die Worte der alten Ḫawāriǧ[13], wodurch sie ihre Verbrechen ausführten und begründeten. Dies geschah in der Zeit des Imām ʿAlī b. Abī Ṭālib. Dies betrifft alles: das Abspalten von der Hauptgemeinschaft der Muslime und das Brechen der Reihen der Gläubigen. Imām ʿAlī b. Abī Ṭālib sagte über diese Worte: „Ihre Aussage ist wahr, doch sie ersuchen durch diese Worte Falsches.“[14]

Der Autor ruft an einer Stelle zur neuen Mission, zur „Islamischen Renaissance“ auf. Im nächsten Moment weitet er seinen Ruf auf die gesamte Welt aus. Dies ist ein Ruf und eine Behauptung nach Macht für die Vorhut, der er sich selbst zuschreibt und in dessen Erwartung er das Buch verfasste, um sie zu seinem Weg und seinem Ruf zu leiten.

Nichts täuscht mehr und ist zerstörerischer als diese Neigung. Dies ist wahrliche eine Neigung der Vernichtung, und dennoch wurde sie „Pfad des Islams“ genannt.

Wenn wir schon dabei sind, stellt sich die Frage, was genau er mit der „Ḥākimīya“, der Herrschaft, eigentlich meint, die da Gott allein gebühre. Läuft die Religion etwa zwischen den Menschen auf zwei Füßen umher, um sie zu stoppen, sie aufzufordern oder sie zu verhindern, die „al-Ḥākimīya“ zu ergreifen? [Der Großgelehrte will hiermit fragen, wie die Religion durch sich selbst herrschen kann, wenn sie – oder gar Gott - nicht unter uns wandelt.]

Oder gibt es eine Form von Gott, welche als Urteil charakterisiert ist, in der Gott zu einer Art Persönlichkeit oder Prinzip reduziert wird, den sich der Autor der „Wegzeichen“ vorstellt? Dies ist doch der gleiche Autor, der die Existenz der Herrscher ablehnte, der Straßensperren errichtete, damit alle sich auflehnen gegen die Herrscher über die Geschöpfe.

Wir können im edlen Koran selbst, der uns vorliegt, sehen, dass es eine Akzeptanz für Herrscher über Muslime gibt. Ihnen zu gehorchen ist notwendig. Auch ist es notwendig, dass diese Herrscher gerecht zu uns sind und immerwährend Verantwortung für uns tragen und in guter Zusammenarbeit mit uns arbeiten.

Der Islam selbst hat niemals, zu keiner einzigen Zeit, die Doktrin aufgestellt oder behauptet, die Herrscher über die Muslime müssten unfehlbare Gottgesandte oder von Fehlern erhabene Menschen sein. Im Gegenteil! Es ist sehr wohl der Fall, dass diese sich irren und Fehler begehen werden, die manchmal offenkundig sind. Dann werden sie aufgerufen, ihre Fehler zu korrigieren und zu Allah und der Sunna seines Gesandten zurückzukehren. Ebenfalls sollen sie den Rat der Leute der Urteilskraft[15] unter den Muslimen einholen.

Es ist daher höchst merkwürdig, dass wir eine einziges Individuum oder ein kleines Kollektiv sehen, welches sich erhebt und einen merkwürdigen Weg einschlägt und diesen auch noch als den „Weg des Islams“ bezeichnet, während er alle anderen ausschließt.

Damit die Sicherheit der Menschen und derer Leben gewährleistet und gesichert ist, ist die Existenz von Herrschern notwendig, damit diese die Angelegenheiten der Menschen organisieren anhand der Religion, gerechter und aufrichtiger Grundlagen, Prinzipien und Gesetze.

Eine der wohlbekannten Maximen des Islams lautet: „Allah beschränkte durch die Autorität, was er im Koran selbst nicht einschränkte.“[16] Wenn jemand dies weiß, wie ist es dann möglich, dass sich im Kopf eines Menschen die Idee entwickeln kann, dass eine Vorhut gebildet werden muss, damit alle Herrscher von ihren Positionen und Posten gestoßen werden?

Unter den Herrschern jedoch gibt es viele, welche sich nicht an das halten, was ihnen durch die verschiedenen Wege und Mitteln vorgegeben wurde, und die streng und grob sind. Dies betrifft jedoch nicht alle Herrscher an allen Orten, wie einigen denken mögen.

Im Schreiben seines Buches erhob der Autor das Buch zu den schlimmsten Stufen der Irreleitung von den authentischen Wegen des Verständnisses von Geschichte und gültigen Konzepten.[17]

„Es ist von höchster Wichtigkeit, dass die muslimische Gesellschaft auf der Bestätigung der ʿAqīdah, dass es keine Gottheiten außer Allah gibt und dass die al-Ḥākimīya nur ihm gebührt, gebildet wird. Wenn eine solche Gesellschaft als offenkundige Realität gebildet ist, wird es das Lebensblut und die Wirklichkeit und nur zu dieser Zeit wird die Religion reflektiert und eingesetzt werden in der Regierung, einhergehend mit ihren feineren Details und Gesetzen.“[18]

Dies ist ein scheußlicher Angriff von Seiten des Autors gegen die Realität der Dinge. Er lehnt die Existenz einer „muslimischen Gesellschaft“ und die Existenzt „islamischer Regierungen“ ab und ruft zu der erwarteten Zeit auf, in welcher der Islam als Gesetzgebung existieren werde und die notwendige Gesellschaft erscheine. Damit meint er: die Gesellschaft, in der er und seine Vorhut die Macht ausüben und ihren eigenen Willen zum Erscheinen bringen.

Wenn genauer analysiert, erscheint es, dass der Autor einige neue idealistische Fantasien formulierte, in denen er für sich selbst den höchsten Rang in der Formierung einer neuen Welt behauptet. Doch davor muss zuerst etwas Anderes geschehen: die Zerstörung der momentanen Ordnung sowie aller anderen Dinge, die keine Vorgänger, Erlaubnis oder Unterstützung haben.

Direkt danach müssen alle Herrscher gestürzt und eine neue Gesellschaft gegründet werden, welche den Platz der alten einnimmt, und eine neue Gesetzgebung für diese neue Gesellschaft muss her.

Der Autor setzt fort und teilt uns seine dritte und vierte Fantasie mit. Er sagt: „Für die Rufer zum Islam, nachdem sie die Menschen aufgerufen haben, diese Religion zu verbreiten, wird folgender Ruf Pflicht: Sie müssen die Menschen zu der Akzeptanz dieser ʿAqīdah rufen. Dies, weil wenn sie sich selbst Muslime nennen und bezeugen, dass sie seit jungen Jahren das Glaubensbekenntnis sprechen, dass es keine Gottheiten außer Allah gibt, und dies als Wahrheit lernen, sie dies auch leben müssen und die Bedeutung dessen kennen müssen.

Die Wahrheit hinter dieser Aussage ist die Rückkehr der al-Ḥākimīya zu Allah und die Auflehnung gegen diejenigen, welche die Autorität Allahs, des Erhabenen, überschritten haben!“[19]

Er setzt seine Worte in der gleichen Art fort. Dieses abzulehnende und ausgefranste Verständnis des Autors widerspricht dem Islam und lehnt ihn ab, während er behauptet, dass er doch derjenige sei, der am meisten Eifer in sich trägt für die Lehren des Islams.

Ist dies nicht eine schreckliche Zwietracht, die uns da droht?? Diese Zwietracht kommt von einem Mann, der sich dieser Religion und der weiten Gesellschaft aufgedrängt hat.

Dieses Urteil nun zusammenfassend kann ich sagen, dass nach meinem Durchlesen des Buches „Wegzeichen“ ich zwei Punkte bemerkt habe:

Erstens ist der Autor ein herrischer und liederlicher Mensch in seiner Einstellung. Er blickt auf die Welt durch die Brille seiner dunklen Fantasien und denkt, sie würde in die Richtung gehen, die er sich selbst ausmalt, oder dass sie so übel ist, wie er denkt.

Zweitens benutzte Sayyid Quṭb den Namen des Islams, um die Jugendlichen von dem zu begeistern, was er dachte, dass es Religiosität sei. Diese „Religiosität“ beinhaltet die Rebellion gegen die Herrscher und all das, was diese brachten, sei dies nun durch das Vergießen von Blut, durch Attentate gegen Menschen, das Zerstören von Gebäude, das Verbreiten von Angst in der Gesellschaft, das Entfernen von öffentlicher Sicherheit und Schutz, das auflodern der Flammen der Zwietracht und aller anderen Formen der Korruption, die anhalten würden für eine Dauer, die einzig Allah, der Erhabene, kennt.[20]

Dies ist die Bedeutung hinter der „Revolution der al-Ḥākimīya“, in die der Autor versessen ist in seinen Schriften.

 

[1] Übersetzt und kommentiert von Al-Hajj Abu Jafar al-Hanbali.

Übersetzt in das Deutsche von Muhammed F. Bayraktar, 2015. Kommentare des Übersetzers in das Deutsche in eckigen Klammern.

[2] 1311 – 1393 AH. Sein Name lautet Ḥasan Muṣṭafā Maʾmūn. Er war der Šāfiʿī Richter Ägyptens und ehemaliger Mufti des ungeteilten Ägyptens. Er besaß großen Einfluss und durch ihn wurden viele Schulen im gesamten Land gebaut und der Zugang in die Schulen für das einfache Volk erleichtert. Er begann ebenfalls Nahrungsprogramme und öffnete Felder, um der Allgemeinheit einen leichteren Zugang zu gewähren, aufgrund des Ernteversagens während der Herrschaft der Briten und der geschwächten Monarchie.

[3] Wenn einige Menschen, die von Salafi-Gedankengut beeinflusst sind, Urteile und Schriften dieser Art lesen, weichen sie oft mit oberflächlichen Aussagen wie: „Dieser Scheich ist ganz klar ein Feigling und fürchtet sich vor dem Jihad!“ aus. Der Übersetzer möchte deswegen erörtern, dass dieser Großgelehrte oftmals im Gefängnis war wegen seiner Ansichten, die er offen vertrat, und es sogar möglich ist, dass er während einer seiner Aufenthalte Sayyid Quṭb gar im Gefängnis begegnete. [Bemerke: Salafis tendieren auch dazu zu denken, wahre Gelehrte seien nur jene, die im Gefängnis seien. Dies ist ein anderer Trugschluss und ein solcher Gedanke soll hier nicht gefördert werden. Es soll nur dargelegt werden, dass der Großgelehrte keine Angst hatte, die Wahrheit zu sprechen.] Hinzukommt, dass der Autor einer der ersten Personen war, die sich gegen die politische Realität des Staates Israel und für die Selbstverteidigung der Palästinenser aussprachen und dies auch bis zu seinem Tode vertrat. Er erachtete die Herrscher in seiner Zeit als Tyrannen und begann auch den Prozess von dem, was später als die Mobilisierung der Muslime für den Konsens über die Übereinkunft des Jihad in Afghanistan bekannt werden sollte und dabei half, die Sowjetunion zu schwächen. Daher ist dies gewiss nicht die Aussage und Lebensarbeit eines Feiglings oder einer Person, welche Angst hatte, die Wahrheit hinsichtlich Islam zu sprechen. Im Gegenteil! Dies sind die klaren Worte einer der wichtigsten Autoritäten des Islams in einer der schlimmsten Phasen der Zwietracht, welche die muslimische Welt je traf.

[4] Dieser große Gelehrte las die erste Druckausgabe des Buches „Meilensteine“ oder „Wegzeichen“ im Jahre 1964. Dem Übersetzer war es nicht möglich, diese Ausgabe zu finden, doch er fand eine Ausgabe aus dem Jahre 1973, welche die gleiche Aufteilung des Dokumentes benutzt wie die Version des großen Gelehrten. Daher basieren alle Zitate in diesem Schreiben auf der 1964er Edition, sehr nah gefolgt von Dār al-šurūq, Kairo, 1979, sechste Auflage, unter dem Schutzschirm des Königreichs Saudi-Arabien. Der Übersetzer verwendete diese Ausgabe ebenfalls. Die Übersetzungen aus dem Jahre 1970, insbesondere die der Federation of Islamic Student Societies (FOSIS) behielt die originalen Gewaltphrasen und den Fanatismus bei. Spätere Editionen jedoch überarbeiteten die Sprache und hauchten mehr Vernunft ein oder weichten sie auf, um zu verbergen, wie weitgefächert die Irreleitung ist, welche der große Gelehrte direkt bemerkte. Daher benutzte der Übersetzer die Ausgaben von 1964 und 1979 und nicht die überarbeitete, studentenfreundliche Ausgabe, die in den politisch korrekten Orten wie Kollegs, Universitäten und dem Internet zu finden sind.

[5] Maʿālim fī al-ṭarīq, Dār al-šurūq, Kairo, 1979, 6. Ausgabe, S. 5f..

[6] Al-Ǧāhilīya. Der Imām Taqī al-dīn Ibn Taymīya - möge Allah sich seiner erbarmen – sagt Folgendes über die Definition dieses Wortes: „Dieses Wort kommt von der Wurzel al-ǧuhl. Dies weist auf die Abwesenheit des Wissens und die Abwesenheit der Handlung gemäß des notwendigen Wissens hin. Wie der Prophet - Frieden und Segen seien auf ihm – schon sagte: „Wenn einer von euch fastet, soll er sich weder boshaft noch ǧuhl benehmen. Wenn ein Mann ihn beleidigt oder verflucht, soll der Fastende zu ihm sagen: ‚Ich faste.‘“ Mit ǧuhl ist hier die falsche Rede gemeint und nicht der komplexe ǧuhl, der schon erwähnt wurde.“ Der Imām sagte an anderer Stelle: „Deswegen wurde dies al-Ǧāhilīya genannt. Die Ǧāhilīya hat also Prinzipien und wird als solche aufgrund der Abwesenheit von Wissen oder der Handlung anhand des Wissens bezeichnet. Dies ist wie die Aussage des Propheten - Frieden und Segen seien auf ihm – zu Abū Ḏarr: „Du bist ein Mensch, der noch etwas von der Ǧāhilīya in sich trägt.“ Dies, weil er einen Mann verfluchte und seine Mutter beleidigte.“ Dies ist von Ibn Taymīya, Maǧmūʿ al-fatāwā, B. 7, S. 329f., al-Bāz Edition. Der Imām sagt an anderer Stelle: „Die Menschen in der Zeit, in welcher der edle Gesandte - Frieden und Segen seien auf ihm – gesandt wurde, waren im Zeitalter der Unwissenheit (ǧāhilīya). Doch ab der Sendung des Gesandten Allahs - Frieden und Segen seien auf ihm – gab [und gibt] es kein Zeitalter der Unwissenheit mehr, denn es wird immer eine offenkundige Gemeinschaft in dieser Ummah geben und dies bis zur letzten Stunde. Doch Aspekte dieses Zeitalters wird es in den Ländern der Muslime oder in Individuen geben, so wie er - Frieden und Segen seien auf ihm – es sagte: ‚Viererlei in meiner Ummah sind vom Zeitalter der Unwissenheit.‘“ Siehe Iqtiḍā al-ṣirāṭ al-mustaqīm li muḫalafāt aṣḥāb al-ǧahīm, B. 2, S. 230f. Der erwähnte Hadith ist bei Imām Muslim im Buch der Ǧanāzah, unter dem Kapitel: „Strenge Warnungen über das Seufzen und das Klagen“ überliefert und von ihm als authentisch eingestuft. Der gesamte Hadith lautet: „Viererlei in meiner Ummah ist vom Zeitalter der Unwissenheit und sie werden dies nicht aufhören: Das Prahlen aufgrund der Vorfahren, das Beschimpfen und Verfluchen der Vorfahren in Streit, das Ersuchen von Regen durch die Sterne und das Klagen über die Toten.“ [Verstehen soll der Leser dieses Textes, dass die Darstellung Sayyid Quṭbs der Ansicht der Gelehrten der Tradition widerspricht und es keine Zeit der Unwissenheit mehr gibt. Dies befindet sich sogar im Widerspruch zu dem Gelehrten, den sich die Salafīya leidenschaftlich zuschreibt.]

[7] Maʿālim, S. 6-8, für den vollen Kontext der Aussage, die auf Seite 8 steht.

[8] Ibid.

[9] Ibid.

[10] Ibid, S. 16f.

[11] Ibid, S. 18f..

[12] Ibid, S. 23ff..

[13] Imām Aḥmad b. Ḥanbal - möge Allah sich seiner Erbarmen – sagte über sie: „Sie haben die Religion verlassen, sich der Religion widersetzt, sich vom Islam entfernt, sich von der Gemeinschaft getrennt, den Weg der Rechtleitung verlassen, sich gegen die Autoritäten aufgelehnt, das Schwert gegen die Ummah gezogen, ihr Blut und ihren Besitz und das Vergießen und Beschlagnahmen dieser erlaubt, Feindschaft gegen alle außer jene, die so glauben wie sie, gezeigt und ihre falschen und irregehenden Ansichten dargelegt. Sie beleidigen die Gefährten des Propheten Muḥammad und seine nächsten Verwandten. Sie widersetzen sich diesem und erklären ihre Distanz zu ihnen und beschuldigen diese mit Unglauben und Hochverrat. Die Ḫawāriǧ denken, ihr Widerstand gegen die Gesetze des offenbarten Gesetzes sei der Islam selbst. Sie lehnen die Bestrafung im Grabe ab, den Teich, die Fürsprache und die Befreiung irgendeines Gläubigen, der die Hölle betrat. Sie sagen, wer auch immer mit einer Lüge oder Sünde kommt, ob nun klein oder groß, und vor seinem Tode keine Reue dafür ablegte, wird auf ewig im Feuer verbrennen. Sie tragen den gleichen Glauben wie die Bakrīya bezüglich des abgemessenen Reichtums und sie haben unter sich die Qadarīya, die Ǧahmīya, die Murǧiʾa und die Rāfiḍa. Sie akzeptieren die Gemeinschaft nicht, sondern widersetzten sich dieser und dem Imām. Sie verspäten die Gebetszeit, fasten vor der Sichtung des Mondes, brechen das Fasten vor der Sichtung des Mondes, gehen Eheverträge ein ohne die Erlaubnis des Vormundes oder Herrschers, gehen Zeitehen ein oder nehmen bestimmte Formen des Zinses. Sie akzeptieren die Gebete in Schuhwerk (ḫuff) oder das Streichen darüber nicht, sie lehnen die Autorität über ihnen ab, das Festliegen des Kalifats bei den Quraisch und viele ander Dinge, mit denen sie dem Islam und den Muslimen widersprechen. Es genügt, wenn die Menschen der Irreleitung damit beschrieben werden, dass ihre Ansicht, Methode und Religion nicht die des Islam ist.“ Der Imām stellt wo anders fest: „Die Ḫawāriǧ haben viele Namen. Sie wurden Hururīya genannt, vom Volk der Harura, während die Azarīqa vom Volk des Nāfīʿ b. al-Azraq sind. Sie haben einige der abscheulichsten Ansichten und sind fern vom Islam und der Sunna. Die Naǧdīya begann mit ihrem Anführer Naǧdah b. ʿĀmir al-Harūrī. Die ʿIbādīya mit ihrem Anführer ʿAbdullāh b. ʿIbād. Die Sufrīya mit ihrem Anführer Dāwūd b. al-Nuʿmān. Auch sind die Muhallabīya, die Ḥāriṯīya und die Ḫaramīya von den Ḫawāriǧ. All diese sind rebellische Sünder, die der Sunna widersprechen und die Religion verlassen haben. Sie sprechen von den Arabern und freien Menschen als hätten diese die gleichen Rechte und Regeln und sie glauben nicht, dass die Araber ein Recht oder Rang haben und sie lieben die Araber nicht, sondern hassen sie. Sie zeigen tiefsten Hass, Neid und Feindschaft gegen sie. Dies ist eine üble Aussage, erfunden von einem Mann aus dem Volke Iraks. Ihm folgte eine kleine Gruppe von Menschen und der Flucht lastete auf ihm.“ Ṭabaqāt al-ḥanabila, B. 1., S. 35ff..

[14] All diese Ereignisse wurde detailliert behandelt von Imām Ibn Kaṯīr in seinem Werk al-Bidāya wa al-nihāya, B. 7, S. 278 – 324.

[15] Dies ist ein Hinweis auf die großen Gelehrten, wenn ein Laie herrscht, oder wenn ein Gelehrter herrscht, dass dieser von anderen Gelehrten der gleichen Klasse und Kategorie reguliert wird.

[16] Dies ist eine mawqūf Aussage, die von ʿUmar b. al-Ḫaṭṭāb überliefert wird, aber wahrscheinlicher und authentischer auf ʿUṯmān b. ʿAffān zurückzuführen ist - möge Allah mit ihnen zufrieden sein. Dies wurde zitiert von Imām al-Ḫatib al-Baġdādī in seinem Tārīḫ al-Baġdād, B. 4, S. 106f.; Yūsuf b. ʿAbd al-Barr in seinem al-Tamhīd, B. 1, S. 115ff.; Taqī al-din Ibn Taymiyyah, (gest. 728 AH) in seinem Maǧmūʿ al-fatāwā, B. 11, S. 393ff., Dār al-Iftāʾ, Riyāḍ, Ibn Qāsim Edition.

[17] Das bedeutet, dass obwohl es korrekt ist, dass es tyrannische Herrscher gab und gibt, dies nicht bedeutet, dass die Ummah verschwunden ist oder dass alle Herrscher so waren.

[18] Ibid, S. 32f.

[19] Ibid, S. 34f.

[20] Bemerke die Weitsicht des großen Gelehrten. Wir leben in der Zeit der Nachwirkungen der Ǧamāʿat al-Umma, GIA, Ǧamāʿa al-Ǧihād, den Nebenprodukten der Muslimbruderschaft, Ǧamāʿa al-muslimīn (besser bekannt als Ǧamāʿa al-takfīr wa al-ḥiǧra), SGFJ, FIS, Al-Qaeda, Ǧamāʿa al-islāmī, HT, [der IS] und eine ganze Gruppe vieler anderer spirituell verarmter und mental verwirrter Individuen und Segmente innerhalb der Gesellschaft, ungeachtet der momentanen Situation in Libyen, der Levante, Tunesien und anderswo.