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Die Tinte der Gelehrten

Von: Imām ʿAlī Al-Qārī
Montag, 30 Mai, 2016 | In: Persönlichkeiten

Die Tinte der Gelehrten ist besser als das Blut der Märtyrer

Von Mullah ʿAlī al-Qārī aus dem

Al-Asrar al-Marfu’a (auch al-Mawdu’at al-Kubra)

Notizen von GF Haddad

 „Die Tinte der Gelehrten ist besser [afḍal[ als das Blut der Märtyrer [šuhadā].“

Al-Ḫatīb schreibt, dass [dieser Hadith] erfunden [mawdūʿ][1] sei, Az-Zarkāšī ebenfalls, wobei er anmerkt, dass es eine Aussage von Ḥasan al-Baṣrī sei.[2] Die Aussage wird jedoch ebenso vom Propheten ṣallallāhu ʿalayhi wa-sallam in folgendem Wortlaut überliefert:

 „Man wog die Tinte der Gelehrten mit dem Blut der Šuhadāʾ gegeneinander ab, und [die Tinte] wog schwerer!“

as-Saḫāwī sagte: Ibn ʿAbd al-Barr überlieferte uns von Abū ad-Dardāʾ, vom Propheten ṣallallāhu ʿalayhi wa-sallam, dass jener sagte:

„Am Tage des Gerichts wird die Tinte der Gelehrten dem Blut der Märtyrer gegengewogen und [die Tinte] wiegt schwerer!“[3]

Al-Ḫatīb überleifert in seinem Tarīḫ von Nafiʿ, über Ibn ʿUmar, vom Propheten ṣallallāhu ʿalayhi wa-sallam, dass jener sagte:

„Die Tinte der Gelehrten und das Blut der Šuhadāʾ wurden gewogen und [die Tinte] wog schwerer.“

Seine Überlieferungskette beinhaltet zwar Muḥammad b. [al-Ḥasan al-Qatayiʿī][4], welcher der Fälschung bezichtigt wurde, nichtsdestotrotz ist die Bedeutung [der Aussage] wahr, denn der Nutzen des Blutes des Märtyrers ist auf ihn selbst beschränkt, wohingegen der Nutzen der Feder des Gelehrten dauerhaft und auch anderen Menschen nützlich ist!

 

 

 

[1] Wie es auch aḏ-Ḏahhabī [Mīzān 3:517] und Aḥmad al-Ġumarī taten. As-Simʿānī aber überliefert es jedoch (1.) von Abū Hurayra  in ādāb al-imlā wa-l-istimlā, S. 162, mit einer Kette von Überlieferern, welche allesamt von Muslim in seinem Ṣaḥị̄h benutzt wurden, und al-ʿIrāqī schreibt in seinem großen Taḫrīǧ des Iḥyāʾ: „Der Ḥadīṯ mit der Überlieferungskette (2.) Nuʿmān b. al-Bašīr in [ Ibn al-Ǧawzīs ʿilāl und Tarīḫ Ǧurǧān] ist gut und sauber [ǧayyid ḥasan]“, so wie es in der Riyad-Edition von aḏ-Ḏahhabīs talḫīs al-ʿilāl al-mutanahiyya [1:71], in Ibn an-Naǧǧārs Tarīḫ und bei ad-Daylamī in verschiedenen Ketten heißt. Letzterer [Daylamī] überliefert via ʿAbd al-ʿAzīz b. Abī Rawwād von Nafiʿ [ibn Hibbān schreibt in seinem al-Maǧruhin (2:136): ‚ʿAbd al-al-ʿAzīz überliefert zweifellose Fälschungen von Nafiʿ), und (5.) ʿAbd Allāh b. ʿAmr b. al-Ǧawzī. Der Ḥadīṯ wird ebenfalls 6.) von Imrān ibn Ḥusayn durch Abū al-ʿAbbās al-Marḥabī in Faḍl al-ʿilm, (7.) Anas bei aš-Širāzī  und (8.) Ibn ʿAbbās bei ibn an-Naǧǧār überliefert, vgl.: aṣ-Ṣuyūṭī in ad-Durr al-Manṯūr und Kanz al-Ummāl.

Jenen, die behaupten, dass dieser Ḥadīṯ dem koranischen Vers: „Diejenigen unter den Gläubigen, die daheim bleiben - ausgenommen die Gebrechlichen -, und die, welche für Allahs Sache ihr Gut und Blut im Kampf einsetzen, sind nicht gleich.“ (4;95) widerspräche, antworten wir, dass sie nichts über die Moral und das Wesen der Gelehrten wissen, und nur deshalb vergleiche sie jene mit denen, die auf dem Wege Gottes mit Eigentum und Blut kämpfen. Es verhält sich jedoch ganz anders: Die ʿUlamāʾ sind die erbittertsten und selbstlosesten Streiter auf dem Pfad Gottes, wie man es auch in ʿAbd al-Fattāḥ Abū Ġuddas Werk Safahāt min ṣabr al-ʿUlamāʾ oder Asad al-Ḫatībs Buch al-buṭulāt wa-l-fidāʾ ʿinda ṣ-ṣūfīya nachlesen kann.

[2] Wie überliefert von Abū Yaʿqūb  b. Ibrāhīm al-Manǧāniqī al-Baġdādī in Riwāyāt al- Kibār ʿan aṣ-Ṣiġār und dargelegt von as-Saḫāwī in al-Maqāṣid (S.377), as-Samhūdī in Ǧawāhir al-ʿaqdayn fī faḍl aš-šarafayn šaraf al-ʿilm wa-n-nasab (S.40), Marī al-Karmī in Fawāʾid al-Mawḍuʿa (S.107), aš-Šawkānī in al-Fawāʾid al-Maǧmuʿā (S.287), aṣ-Ṣuyūṭī, al-ʿAǧlūnī, al-Faṭṭānī und anderen.

[3] In Ǧamiʿ Bayān Faḍl al-ʿIlm (1:150) durch den Qāḍī von Mawṣīl, Ismaʿīl b. Abī Ziyād az-Zaqqūnī, welchen Ibn Hibbān als Erzlügner [Daǧǧāl] bezeichnete.

[4]In manchen Manuskripten wurde sein Name zu „Muhammad ibn Ǧaʿfar“ veränder, al-Ḫatīb korrigierte dies jedoch. 

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