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Die Herabwürdigung der Gottesfreunde und Gelehrten

Von: | Übersetzer: Matthias B. Schmidt
Montag, 30 Mai, 2016 | In: Persönlichkeiten

Kapitel 20 - Die Herabwürdigung der Gottesfreunde und Gelehrten

 

Dieses letzte Kapitel handelt von der Herabwürdigung jener edlen Männer, die uns vorausgegangen sind. Es ist das wichtigste aller Kapitel! Diese edlen Männer beinhalten alle Gelehrten, alle Meister des Ḥadīṯ, alle Rechtsgelehrten und die Ṣūfīya. Allah sagt:

„Und jene der Auswanderer [aus Mekka], welche als erste den Islam annahmen, und die Helfer [aus Medina, d.h. die Anṣār], die ihnen [im Glauben] genau gefolgt sind, - mit denen ist Allah wohlzufrieden, und sie mit ihm. Für sie hat er Gärten bereitet, in deren Niederungen Bäche fließen und in denen sie ewig weilen werden. Dies ist der gewaltige Gewinn.“[1]

Viele Überlieferungen aus ad-Durr al-Manṯūr helfen uns, diesen Vers zu erklären. Eine Überlieferung ist ein Ḥādīṯ, welcher von Imām al-Awzāʿī überliefert wird, er sagt:

Yaḥyā ibn Kaṯīr, Qāsim, Makḥūl, ʿAbda ibn Abī Labāba und Ḥasan ibn Abī ʿAṭiyya überliefern, dass sie von einer großen Gruppe Prophetengefährten hörten, dass der Prophet - Allahs Segen und Frieden auf ihm –, als dieser Vers offenbart wurde, sagte:

„Dieser [Vers] ist für meine Gemeinde, und nach Allahs Wohlgefallen gibt es keinen Zorn mehr.“

Die Ṣūfiyā, welche die Stufe des Iḥsān erlangen, sind in diesen Vers ebenso eingeschlossen. Da sie im Glauben exakt nachfolgten, erlangten sie ebenfalls das Wohlgefallen Allahs. Diese Angelegenheit wurde ausführlich in al-Iʿtidāl dargelegt. Bezüglich des Herabwürdigens der Altvorderen sage ich nur soviel: Wer seine Zeit damit verbringt, Fehler bei den Gelehrten zu suchen, und dies auch noch genießt, der schadet nur sich selbst. Könnten sie den Gelehrten, welche sie kritisieren, wirklich Schaden zufügen, so könnten sie ihnen nur weltliche Würden und Ansehen nehmen, und all dies ist vergänglich und unbedeutend. Dies könnten sie selbstredend auch nur dann, wenn dies im Schicksal der Gelehrten vorgesehen wäre. Ihre Kritik, ihre Vorurteile und ihr Lästern fällt auf sie zurück, und sie schaden den Gelehrten nicht im Geringsten.

Der Prophet - Allahs Segen und Frieden auf ihm – sagte:

„Wer keinen Respekt vor unseren Älteren hat, mit unseren Jüngeren nicht barmherzig ist und unsere Gelehrten nicht achtet, der ist nicht von uns.“[2]

Stellt euch vor, jemand behauptet von der Gemeinde des Propheten - Allahs Segen und Frieden auf ihm – zu sein, und doch will unser gesegneter Prophet - Allahs Segen und Frieden auf ihm – nichts mit ihm zu tun haben! In einer anderen Überlieferung sagte der Prophet - Allahs Segen und Frieden auf ihm:

„Jene, welche die Offenbarung [mit sich] tragen, sind die Freunde Allahs.“

Einer anderen Überlieferung zufolge sagte er - Allahs Segen und Frieden auf ihm:

„Die Träger [ḥuffāẓ, jene die den Koran auswendig lernten] des Korans sind die Freunde Allahs. Wer sie sich zum Feind nimmt, der hat sich Allah zum Feind genommen. Wer sie sich zum Freund nimmt, der hat sich Allah zum Freund genommen.“[3]

In einem Ḥādīṯ Qudsī, welcher von Imām al-Buḫārī überliefert wird, sagt Allah, der Erhabene:

„Ich erkläre demjenigen den Krieg, der meinem Freund Schwierigkeiten bereitet.“

Und Ḫaṭīb al-Baġdādī überliefert von Imām Abū Ḥanīfa und Imām aš-Šāfiʿī, dass sie sagten:

„Wenn die Rechtsgelehrten und Gelehrten nicht die Freunde Allahs sind, so ist niemand ein Freund Allahs!“

ʿAbdullāh ibn ʿAbbās - möge Allah mit ihm zufrieden sein – sagte:

„Wer immer auch einen Rechtsgelehrten [Faqīh] verletzt, der verletzt den Propheten - Allahs Segen und Frieden auf ihm.“

Ḥāfiẓ Abū al-Qāsim ibn ʿAsākir schrieb:

O mein Bruder, höre gute zu! Möge er Dir und mir Wege eröffnen, die zu seinem Wohlgefallen führen; und möge er uns beide von jenen machen, die ihn so fürchten, wie es ihm gebührt. Ich hörte, dass das Lästern über Gelehrte enorm giftig ist, und wir wissen, wie Allah die Schwäche und Fehler jener offenlegt, die sich über sie lustig machen. Es ist der Brauch Allahs, die Fehler jener offenzulegen, die sich über die Gelehrtenschaft lustig machen, und die Herzen jener zu versiegeln, die ihre Zungen in Bezug auf sie nicht zügeln.

Šayḫ ʿAbdulḥayy schreibt in seinen Fatāwa:

Die Rechtsgelehrten erwähnen, dass derjenige, der aus Geringschätzung gegenüber dem Wissen bei Gottesfreunden oder Religionsgelehrten schwört, ein Ungläubiger ist. Tut er es aus einem anderen Grund heraus, so ist er wenigstens ein großer Sünder und verdient den Zorn Gottes im Diesseits und im Jenseits.

Er untermauert dies mit den Aussagen der Gelehrten, Versen des Korans und Aussprüchen des Propheten - Allahs Segen und Frieden auf ihm.

Kurzgefasst: Jene, welche die Gottesfreunde herabwürdigen, schaden sich selbst mehr als irgendjemand anderem. Dies geht klar aus den Aussprüchen des Gesandten - Allahs Segen und Frieden auf ihm – und den Richtsprüchen der Gelehrten hervor. Wer etwas Zeit erübrigen kann, sei ermutigt, in al-ʿitidāl bezüglich dieser Angelegenheit nachzuschlagen.

 

 

 

[1] 9:100

[2] Kanz al-ʿUmmāl 3/179

[3] Kanz al-ʿUmmāl 1/515

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