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Bezüglich Allahs Rede [Kalām]

Von: Imām Al-Qurtubī | Übersetzer: Muhammed F. Bayraktar, H. Citlak
Donnerstag, 11 Februar, 2016 | In: Glaubensgrundlagen (ʿAqīdah)

Auszug aus Imam Qurtubīs (raḥimahullāh – Allah erbarme sich seiner) ‚Al-Tadhkira fī Aḥwāl Al-Mawtā wa Umūr Al-Ākhira‘ - Der Erinnerer an die Umstände des Todes und die Angelegenheiten des Jenseits, [S.232-233]

Bezüglich der Rede Allāhs [Kalāmullāh][1]

Von Imām Al-Qurṭubī (gest. 1273/671)

 

Die Aussage des Hadithes „Allah ruft sie mit einem Laut“ wird stets von jenen angeführt, die glauben, dass die Rede Gottes aus Buchstaben und Lauten bestünde. Erhaben ist Er über die Behauptungen jener, die Gott mit den Menschen vergleichen [muǧassima], und über die Ansichten der Glaubensleugner!

In Wahrheit geschieht Sein Ruf durch einige der Ihm nahestehenden Erzengel, welche auf Seine Anordnung und Seinen Willen hin handeln.

Dies gleicht Aussagen wie „Der Prinz rief“ oder „ich vernahm den Ruf des Prinzen“, wie ja auch Allah, der Erhabene, sprach: „Pharao rief seine Leute“, und hiermit meint, dass ein Beauftragter auf Geheiß des Prinzen bzw. Pharaos gerufen hat [und nicht der Pharao oder Prinz selbst].

Ebenso verhält es sich, wenn gesagt wird: „Der Prinz tötete diesen oder jenen“, oder: „er schlug diesen oder jenen“, denn dies muss nicht bedeuten, dass der Prinz selbst derjenige gewesen ist, der die Handlung vollzog, sondern vielmehr ist [durch die Aussage] impliziert, dass er den Befehl zu jener Tat gab.

In einem makellosen (ṣaḥīḥ) Hadith wird erwähnt, dass die Engel vor der gesamten Schöpfung ausrufen und die Frommen und Aufrichtigen ansprechen, indem sie sagen: „Gewiss, Soundso, der Sohn des Soundso…“.

Dies gleicht auch dem, was im „Hadith über das „Herabsteigen“ erwähnt wurde, und dieser Hadith dient der Überlieferung, welche uns von Nasāʾī über Abū Hurayra und Abū Saʿīd überliefert wird, als Erklärung. In dieser sagt der Prophet, ṣallallāhu ʿalayhi wa sallam, dass Allah, der Allmächtige und Glorreiche, wartet, bis die erste Hälfte der Nacht verstrichen ist, worauf Er einem Rufer befiehlt zu verkünden: „Gibt es jemanden, der ein Bittgebet darbringen will, auf dass es erhört werde? Jemanden, der nach Vergebung sucht, auf dass ihm vergeben werde? Gibt es einen Bedürftigen, auf dass ihm gewährt werde?“ [Diese Überlieferung wurde] authentifiziert von Abū Muḥammad ʿAbd al-Ḥaqq.

Die Interpretation für jede Überlieferung, in der Gottes Rede, Stimme oder Ruf erwähnt [oder beschrieben] wird, lautet, dass [das Erwähnen eines] Zusatzes vermieden wurde. Beweis hierfür ist die [Eigenschaft der] urewigen Rede [kalām] Gottes, wie ad-Diyanāt erwähnt [denn die urewige Rede Gottes ist ohne Laute, Buchstaben, Töne und diesen Dingen Ähnlichem].

Sagt nun irgendein Narr: „Für deine Interpretation gibt es keinen Beweis, denn es heißt: ‚Ich bin der Vergelter [ad-Dayyān]‘, und dergleichen kann wahrhaftig und ehrlich nur von Gott, dem Allmächtigen, [selbst] gesagt werden“, dann antworten wir ihm, wie folgt:

„Sprach der Engel im Auftrag Gottes und an Gottes Stelle, so kommt diese [Aussage] von Gott, dem Herrn der Welten. Beweis hierfür ist die Tatsache, dass es nicht dem Leser zugeschrieben wird, wenn er aus dem Koran: ‚Wahrlich, ich bin Allāh…‘ [2:14] liest, sondern der Leser in Wirklichkeit nur Gottes Wort erwähnt und [es] mit seiner Stimme [verlautbart und] daran erinnert.“ Diese Angelegenheit ist offensichtlich!

 

 

 

[1] Auszug aus Imām al-Qurṭubīs at-taḏkira fī aḥwāl al-mawt wa ʾumūr al-āḫira [S.232f.].